Nathalia Traxel: Gamification – Probleme mit Spaß lösen

Nathalia Traxel setzt auf Gamification (Bild: d.Tales)

Nathalia Traxel ist Content Creator bei der Content Marketing Agentur d.Tales. Neben ihrer Tätigkeit in München als kreativer Kopf für digitale Inhalte, ist sie schon seit sie denken kann Gamer aus Leidenschaft und schreibt auf Pixelburg.tv über PC- und Videospiele. Gamification möchte sie nun auch ihren Kunden anbieten.

Nathalia lernte ich auf dem Communication Camp in Frankfurt kennen. Innerhalb eines Wochenendes professionalisierten wir gemeinsam die Internetpräsenz und die Kommunikation für einen Verein, der Menschen mit psychischen Problemen sowie deren Angehörigen hilft.

Ich selbst bin ein großer Fan von Gamification. Als ich erfuhr, dass sie einen Vortrag über Gamification halten würde, war ich neugierig und wollte wissen, was sie darüber erzählen würde.

Hallo Nathalia, Du hast Dich seit Kurzem dem Thema Gamification verschrieben. Warum?
Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass „Spaß“ ein ganz starker Faktor ist, der mich dazu bringen kann, Dinge freiwillig zu tun, die ich sonst eher müßig finde. Vokabeln lernen zum Beispiel – schrecklich langatmig. Aber von einer App mit Badges belohnt zu werden, die man dann auch seinen Mitstreitern präsentieren und sich so auch ein bisschen gegenseitig pushen kann, hat mir total geholfen, an meinen Spanisch-Ambitionen dran zu bleiben!

Warum soll sich das nicht auch auf Content Marketing übertragen lassen, dachte ich. Ich arbeite bei d.Tales, einer Content Marketing Agentur im schönen München und bin dort als Content Creator unter anderem für das Erstellen und Konzipieren kreativer Inhalte zuständig. Wie kann Social Media Content noch mehr Interaktion hervorrufen? Wie können Kunden oder auch Mitarbeiter dazu gebracht werden, ein höheres Engagement mit dem Unternehmen zu entwickeln? Bei diesen und vielen anderen Themengebieten kann Gamification sicherlich ein Schlüssel zum Erfolg sein. Bisher konnten wir bei d.Tales noch keine Lösungen in der Richtung anbieten, da wir niemanden hatten, der sich mit dem Thema näher auseinandergesetzt hat. Nun habe ich mich aber entschlossen, mich selbst im Bereich Gamification hoch zu leveln und hoffe, dass wir schon bald die ersten gamifizierten Systeme mit Kunden umsetzen können.

Kannst Du uns kurz erklären, was du unter Gamification verstehst?
Gamification ist für mich, drei Dinge spielerisch und auf fast schon unbemerkbar natürliche Weise zusammenzuführen, nämlich Motivation, Spaß und Probleme beziehungsweise unliebsame Aufgaben. Am schönsten ist es, wenn die Motivation, Dinge zu erledigen, natürlich von innen heraus, aus der Person selbst kommt. Aber es kann genauso toll sein, wenn man es als Unternehmen schafft, durch externes Zutun eine solche Motivation zu erzeugen. Eigentlich kann man kurz sagen: Gamification bedeutet, etwas Langweiliges in etwas Aufregendes zu verwandeln. Ob man sich dabei dafür entscheidet, den User intrinsisch zu motivieren (also zum Beispiel durch das Wissen, dass Skills aufgebaut und verbessert werden, die sie letztendlich in der persönlichen Entwicklung weiterbringen) oder extrinsisch zu motivieren (durch simple Belohnungen für eine vollendete Aufgabe), ist dabei vom jeweiligen Anwendungsfall und der Zielgruppe abhängig und sollte gemeinsam mit dem Unternehmen diskutiert werden.

Was und wen kann man mit Gamification erreichen?
Theoretisch kann man mit Gamification eigentlich jeden erreichen. Wie so oft ist dabei nur entscheidend wer genau die Zielgruppe ist und wie man am besten an sie herangeht. Ob es nun die Mitarbeiter eines Unternehmens sind, die dazu motiviert werden sollen, spielerisch mehr Leistung zu erbringen oder die breite Öffentlichkeit ist, die dazu gebracht werden soll, gewissenhafter den Müll in Stadtparks zu entsorgen; ob es das Kind mit Diabetes ist, das nicht vergessen soll, seine tägliche Insulindosis zu sich zu nehmen oder jemand, der Hilfe benötigt, einen sportlichen und ernährungsbewussten Lifestyle anzugehen – Gamification kann, richtig eingesetzt, wirklich so gut wie jeden erreichen. Man kann übrigens auch erstmal klein anfangen: Mein erstes gamifiziertes System war mein Vortrag zum Thema Gamification auf der Campixx Marketing Konferenz 2017 in Berlin. Um etwas am Ende meines Vortrags zu gewinnen, mussten die Zuhörer zu einem bestimmten Hashtag ihre Learnings aus meinem Vortrag twittern – unter den gesendeten Tweets wurde dann am Ende der Gewinner gelost. So konnte ich sie (extrinsisch) motivieren, genau aufzupassen und mit meinem Vortrag und dem Thema zu engagen, um dann am Ende als potenzieller Sieger nach Hause zu gehen.

Auf was sollten Unternehmen achten, wenn sie Gamification einsetzen?
Ganz wichtig: Gamification besteht nicht nur aus Bestenlisten, Punkten und Badges! Gamification ist viel, viel mehr als das. Diese drei Dinge können bestenfalls als Komponenten bezeichnet werden, die in einem gamifizierten System dazu führen, die nötige Motivation anzukurbeln. Es geht nicht einfach nur darum, sich Belohnungen zu überlegen für dies und das – jede Zielgruppe (und genau genommen auch jeder Spieler) wird durch andere Prozesse angesprochen und durch andere Dinge motiviert. Das System muss so konzipiert sein, dass es jedem der Spieler ermöglicht, eine authentische Begeisterung zu entwickeln. Neben einem divers aufgestellten Entwicklungsteam, benötigt es noch viel mehr Komponenten als die drei oben genannten: Story, Entwicklungen, Limitierungen, Quests, Herausforderungen, Teamplay, Level, Feedback, und, und, und. Wer eine Gamification-Lösung innerhalb einer halben Stunde entwickelt, kann sich sicher sein: Das Ergebnis ist nicht das Non-Plus-Ultra und wird mit aller Wahrscheinlichkeit nicht den gewünschten Effekt erzielen.

Was möchtest Du unseren Lesern noch mitteilen?
Ich möchte Unternehmen dazu raten, sich einfach mal auf Gamification einzulassen. Selbst wenn es nur ein kleines Pilot-Projekt ist, um sich mit dem Thema vertraut zu machen und zu schauen, ob es was für einen ist – vielleicht werden Sie vom Versuch positiver überrascht, als Sie glauben. Design ist immer, und so auch bei Gamedesign, ein iterativer Prozess. Von Misserfolgen darf man sich nicht unterkriegen lassen, sondern einfach weiter testen, verbessern, Erfahrungen sammeln – eat, sleep, repeat. Und ganz, ganz wichtig: Wenn man sich dazu entscheidet, ein gamifziertes System zu entwickeln, sieht man häufig schnell den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Daher vergessen Sie bitte nie den Spaß dabei – sowohl für Sie selbst, als auch für die künftigen Spieler.

Game on!

Bild: d.Tales

2 Kommentare

  1. hi natalie,
    gut erklaert. der einstieg und die schwellle scheint niedrig zu sein. bei zugesagtem ergebnis, zumindest im kleinen. so verstehe ich “… Wer eine Gamification-Lösung innerhalb einer halben Stunde entwickelt, kann sich sicher sein: Das Ergebnis ist nicht das Non-Plus-Ultra und wird mit aller Wahrscheinlichkeit nicht den gewünschten Effekt erzielen”, nicht sinnlos, sondern nur ein eingeschraenktes ergebnis. sonst passt der satz nich zusammen. Im Artikel koennten ein paar beispiele helfen, diese schwelle mal anzugehen und aus dem solala ergebnis dann aufwaerts zu gestalten. ich vergesse dabei nicht, dass gamification aus usa kommend schon mehr als zehn jahre alt ist, beispiele also existieren sollten. Neu ist das nicht, nur die schwelle zum probieren sollte gesent werden … bitte schreibe doch einen anschluss artikel, mit praxisbeispielen und “initial steps to go”.
    danke sehr. frank

    • Shau Chung Shin

      Hallo Frank,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe ihn an Nathalia Traxel weitergeleitet. Vielen Dank auch für Deine Anregungen, insbesondere die Anregung, einen Artikel mit Beispielen zu verfassen. Das sehe ich ebenso und ist in Planung : ).

      Beste Grüße

      Shau Chung Shin

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